Gro├čbrand hielt Borkum stundenlang in Atem

18.07.2002

Lange Zeit gab es Irritationen um möglicherweise vermisste Personen. Hunderte Feriengäste und Insulaner verfolgten das Geschehen an der Bismarckstraße.

 

Starke Rauchentwicklung und zwischendurch lodernde Flammen hielten gestern Feuerwehr, Polizei und Hilfskräfte stundenlang bei einem Hotel-Großbrand auf einer Hauptgeschäftsstraße der Insel Borkum in Atem.

 

Mitten im Zentrum drohte das Feuer durch starke Winde auf anliegende Gebäude in der Bismarckstraße überzugreifen. Gegen 10.40 Uhr war der Großbrand in den oberen Stockwerken des Hotels "Haus Nordmeer", das unmittelbar an das Hotel "Atlantik" nahe dem Kleinbahn-Bahnhof angrenzt, ausgebrochen.

 

In den späten Nachmittagsstunden bekam die Feuerwehr Borkum die Lage schließlich unter Kontrolle. Die Feuerwehr ging davon aus, am Abend auch die letzten Brandnester gelöscht zu haben. Aufatmen am Nachmittag auch bei der Polizei, als gegen 16 Uhr anhand von Checklisten endgültig klar war, dass keine Menschen zu Schaden gekommen waren.

 

Lange Zeit hatte es Irritationen um möglicherweise zwei vermisste Menschen gegeben. Im "Haus Nordmeer" selbst sollen sich im oberen Bereich zur Zeit des Brandausbruchs keine Menschen befunden haben. Der Komplex und anliegende Gebäude wurden evakuiert.

 

Hunderte Feriengäste und Insulaner verfolgten das Geschehen außerhalb der Absperrungen. Der untere Teil der Bismarckstraße, in der Pensionen und Geschäfte dicht an dicht stehen, war voll gesperrt. Rund 60 Hilfskräfte waren im Einsatz.

 

Während die Brandursache bislang unbekannt ist und Brandsachverständige vor Ort die Ermittlungen aufgenommen haben, schätzt die Polizei Borkum nach bislang vorliegenden Erkenntnissen die Schadenshöhe auf mindestens 500 000 bis eine Million Euro.

 

Die oberen drei Stockwerke des "Haus Nordmeer", das zum Hotel "Atlantik" gehört, sollen vollständig zerstört worden sein. Über die Schäden in den unteren Stockwerken - im Erdgeschoss sind auch Geschäfte untergebracht - konnten noch keine Angaben gemacht werden. Anfangs sah es so aus, als würde das Hotel "Atlantik" auch brennen. Das bestätigte sich dann offenbar nicht.

 

Einen Tag vor Ferienbeginn in Nordrhein-Westfalen sprach Kurdirektor Johannes Cassens gestern gegenüber der Emder Zeitung davon, dass die Kurverwaltung gegebenenfalls Umschichtungen durch den Ausfall von Hotelkapazitäten vornehmen muss. Mit großen Problemen rechne er jedoch nicht. Borkum hat eine Kapazität von rund 18 000 Betten. Die bereits in dieser Hauptreisezeit stark von Touristen frequentierte Insel mit ihren 27 Hotels und zahlreichen Ferienwohnungen erwartet heute einen erneuten Urlauberansturm.

 

Wegen der starken Rauchentwicklung über der Insel mussten gestern vorübergehend auch das Wellenbad und das Kurhaus geschlossen werden. Der Kurdirektor hoffte, dass eine für den Abend geplante Veranstaltung aber doch noch stattfinden konnte.

 

Ein dem Großbrand vergleichbares Unglück gab es auf der Ferieninsel zuletzt vor fünf Jahren. Damals hatte ein Feriengast mit einer glimmenden Zigarette ein Feuer in seiner Unterkunft ausgelöst. dpa/db