Brand Haus Nordmeer, Bismarckstr., 17. Juli 2002     

- andere Seite mit Einsatzbildern von Peter Weber-Schiffner -

- Bericht über die Borkumer Wehr nach dem Brand in der Ostfriesenzeitung 24.7.02 -

- Ein Kamerateam der nordnew.tv war auch da; hier ihre Werbung für den Beitrag

Pressestimmen:

Aus dem "Mannheimer-Morgen" vom 18.7.02, 05:50 Uhr:

Hotel auf Borkum ausgebrannt

Keine Toten oder Verletzten

 

Den Vormittag über kämpfte die Borkumer Feuerwehr gegen einen Großbrand im "Haus Nordmeer" auf der größten ostfriesischen Insel Borkum. Das Feuer zerstörte sechs Stockwerke des Wohn- und Geschäftshauses. Bild: dpa

Borkum. Bei einem Brand auf der ostfriesischen Insel Borkum ist ein sechstöckiger Hotel- und Geschäftskomplex in der Innenstadt nahezu komplett zerstört worden. Verletzte oder Tote gab es nicht, teilte die Polizei mit. Alle 30 zunächst vermissten Personen seien wieder aufgetaucht. Das Feuer war um 10.30 Uhr aus noch ungeklärter Ursache ausgebrochen. Kurz nach 15.00 Uhr hatten die Einsatzkräfte den Brand unter Kontrolle, berichtete ein Feuerwehrsprecher.
    Der Gebäudekomplex namens "Haus Nordmeer" liegt unmittelbar neben dem Hotel "Atlantik" in der Hauptgeschäftsstraße von Borkum und grenzt direkt an den Strand. Die oberen Etagen des Hauses brannten völlig aus. Benachbarte Hotels wurden vorsorglich geräumt. Lange Zeit waren die etwa 60 Einsatzkräfte damit beschäftigt, ein Übergreifen des Feuers auf Nachbarhotels und Geschäftshäuser zu verhindern.
    "Im Moment machen die Einsatzkräfte Aufräumarbeiten und löschen Brandnester", sagte Axel Held von der Feuerwehr Borkum. Die Feuerwehrleute konnten aber nur langsam ins Innere des Hotels vordringen.
    Nach Angaben des Sprechers war auf Grund des starken Windes ein erneutes Aufflammen des Brandes nicht auszuschließen. Es gebe immer noch eine starke Rauchentwicklung. "Wir haben Angst, dass der Wind stärker wird und das Feuer andere Häuser in Brand setzt", sagte Polizeisprecher Wilfried Spieker. Zur Schadenshöhe konnten zunächst keine Angaben gemacht werden. dpa

Ostfriesenzeitung, Leer, 18.7.02:

Großfeuer auf der Insel

Auf Borkum stand gestern das Wohn- und Geschäftshaus „Haus Nordmeer“ in Flammen

 

In dem Gebäude sind auch Ferienwohnungen. Alle Gäste hatten das Haus verlassen, niemand wurde verletzt.

pik Borkum. Großfeuer auf Borkum: Das mehrstöckige Feriendomizil „Haus Nordmeer“ stand gestern lichterloh in Flammen. Lange Zeit herrschte Ungewissheit, ob sich noch Menschen in dem brennenden Wohn- und Geschäftshaus aufhielten. „Wir sind nicht mehr reingekommen“, sagte Kriminalhauptkommissar Karl-Heinz Beismann, Leiter des Polizeikommissariats Borkum. Um 16 Uhr kam Entwarnung: Anhand der Checklisten stand fest, dass alle Gäste das Gebäude verlassen hatten. Niemand wurde verletzt. Zwei Gäste, die zunächst als vermisst galten, waren am Nachmittag wieder aufgetaucht.
    Die Kripo Leer hat einen Brandermittler auf die Insel geschickt. Zur Ursache konnte sie gestern noch nichts sagen. Den Schaden beziffert die Polizei auf 500 000 bis 1 000 000 Euro.
    Die oberen Etagen des Wohn- und Geschäftshauses, in dem sich auch Ferienwohnungen befinden, wurden weitgehend zerstört. Die Geschäfte unten sind durch Löschwasser in Mitleidenschaft gezogen, ebenfalls die Diskotheken im Keller. Der „Inselkeller“ stand unter Wasser.
    Um 10.41 Uhr ging bei der Borkumer Feuerwehr der Alarm ein. Als Feuerwehr und Polizei eintrafen, stieg aus dem obersten Stockwerk schon enormer Rauch auf. Der Brand weitete sich schnell auf den ganzen Dachstuhl aus und erfasste die darunter liegenden Etagen.
    „Die angrenzenden Häuser sind in Gefahr“, so die Lagemitteilung der Borkumer Polizei am frühen Nachmittag. Sie hatte Sorge, dass der böige Wind das Feuer weiter anfachte und andere Häuser in Brand setzte. Das „Haus Nordmeer“ liegt in der Hauptgeschäftsstraße der Insel, einer Fußgängerzone, in der die Hotels und Pensionen dicht an dicht stehen. Wie Feuerwehr-Sprecher Axel Held mitteilte, wurden die umliegenden Gebäude geräumt, darunter das Hotel „Atlantik“, das direkt an das „Haus Nordmeer“ grenzt. Auch das Kurhaus, das Wellenbad und die Post wurden geschlossen.
    Die Feuerwehr konnte verhindern, dass die Flammen übergriffen. Am späten Nachmittag hatte sie den Brand unter Kontrolle. Die Löscharbeiten dauerten etwa bis 17 Uhr. Um das „Haus Nordmeer“ wurde weiträumig abgesperrt, es bestand Gefahr, dass der Giebel einstürzte.
    Die Feriengäste des Hauses wurden für die Nacht in anderen Hotels und Pensionen untergebracht. „Die meisten hatten nur noch das, was sie anhatten“, sagte Joachim Stratmann von der Tourist-Information. Es sei kein Problem gewesen, für die Urlauber neue Unterkünfte zu besorgen. Die meisten von ihnen würden heute abreisen. Am Wochenende beginnt auf Borkum die Hauptreisezeit, denn in Nordrhein-Westfalen ist Ferienanfang.

Nordwest-Zeitung, Oldenburg, 18.7.02:


 
Bei einem Großbrand auf der Insel Borkum ist gestern ein mehrstöckiges Wohn- und Geschäftshaus zerstört worden. Die 30 Urlaubsgäste des Feriendomizils blieben unverletzt. Der Gebäudeschaden geht nach Angaben der Polizei „in die Millionen“. Die Brandursache war gestern noch unbekannt. Das Feuer war gegen 10.30 Uhr ausgebrochen; die Feuerwehr verhinderte, dass die Flammen auf benachbarte Häuser übergriffen.   Bilder: dpa

Emder-Zeitung, 18.7.02:

Großbrand hielt Borkum stundenlang in Atem

Lange Zeit gab es Irritationen um möglicherweise vermisste Personen. Hunderte Feriengäste und Insulaner verfolgten das Geschehen an der Bismarckstraße.

Starke Rauchentwicklung und zwischendurch lodernde Flammen hielten gestern Feuerwehr, Polizei und Hilfskräfte stundenlang bei einem Hotel-Großbrand auf einer Hauptgeschäftsstraße der Insel Borkum in Atem.
Mitten im Zentrum drohte das Feuer durch starke Winde auf anliegende Gebäude in der Bismarckstraße überzugreifen. Gegen 10.40 Uhr war der Großbrand in den oberen Stockwerken des Hotels "Haus Nordmeer", das unmittelbar an das Hotel "Atlantik" nahe dem Kleinbahn-Bahnhof angrenzt, ausgebrochen.
In den späten Nachmittagsstunden bekam die Feuerwehr Borkum die Lage schließlich unter Kontrolle. Die Feuerwehr ging davon aus, am Abend auch die letzten Brandnester gelöscht zu haben. Aufatmen am Nachmittag auch bei der Polizei, als gegen 16 Uhr anhand von Checklisten endgültig klar war, dass keine Menschen zu Schaden gekommen waren.
Lange Zeit hatte es Irritationen um möglicherweise zwei vermisste Menschen gegeben. Im "Haus Nordmeer" selbst sollen sich im oberen Bereich zur Zeit des Brandausbruchs keine Menschen befunden haben. Der Komplex und anliegende Gebäude wurden evakuiert.
Hunderte Feriengäste und Insulaner verfolgten das Geschehen außerhalb der Absperrungen. Der untere Teil der Bismarckstraße, in der Pensionen und Geschäfte dicht an dicht stehen, war voll gesperrt. Rund 60 Hilfskräfte waren im Einsatz.
Während die Brandursache bislang unbekannt ist und Brandsachverständige vor Ort die Ermittlungen aufgenommen haben, schätzt die Polizei Borkum nach bislang vorliegenden Erkenntnissen die Schadenshöhe auf mindestens 500 000 bis eine Million Euro.
Die oberen drei Stockwerke des "Haus Nordmeer", das zum Hotel "Atlantik" gehört, sollen vollständig zerstört worden sein. Über die Schäden in den unteren Stockwerken - im Erdgeschoss sind auch Geschäfte untergebracht - konnten noch keine Angaben gemacht werden. Anfangs sah es so aus, als würde das Hotel "Atlantik" auch brennen. Das bestätigte sich dann offenbar nicht.
Einen Tag vor Ferienbeginn in Nordrhein-Westfalen sprach Kurdirektor Johannes Cassens gestern gegenüber der Emder Zeitung davon, dass die Kurverwaltung gegebenenfalls Umschichtungen durch den Ausfall von Hotelkapazitäten vornehmen muss. Mit großen Problemen rechne er jedoch nicht. Borkum hat eine Kapazität von rund 18 000 Betten. Die bereits in dieser Hauptreisezeit stark von Touristen frequentierte Insel mit ihren 27 Hotels und zahlreichen Ferienwohnungen erwartet heute einen erneuten Urlauberansturm.
Wegen der starken Rauchentwicklung über der Insel mussten gestern vorübergehend auch das Wellenbad und das Kurhaus geschlossen werden. Der Kurdirektor hoffte, dass eine für den Abend geplante Veranstaltung aber doch noch stattfinden konnte.
Ein dem Großbrand vergleichbares Unglück gab es auf der Ferieninsel zuletzt vor fünf Jahren. Damals hatte ein Feriengast mit einer glimmenden Zigarette ein Feuer in seiner Unterkunft ausgelöst.
dpa/db

 

spotnews  18. Juli 2002  07:54

Sachverständige suchen nach Ursache für Hotelbrand

Borkum (dpa) - Einen Tag nach dem Hotelbrand auf Borkum haben Sachverständige mit der Suche nach der Ursache begonnen. Nach Polizeiangaben sollen die Ermittlungen im Laufe des Tages abgeschlossen werden. Die Einsturzgefahr sei noch nicht gebannt, hieß es. Die Feuerwehr habe bis zum frühen Morgen immer wieder Brandnester löschen müssen. Bei dem Feuer im «Haus Nordmeer» in der Fußgängerzone wurde keiner der 30 Hotelgäste verletzt. Der Schaden wird auf bis zu eine Million Euro geschätzt.

DER SPIEGEL Online, 17.7.02, 17:00 Uhr:

INSEL BORKUM

Hotel brannte komplett aus

Auf der Nordseeinsel Borkum brannte bis zum Nachmittag ein sechsstöckiges Hotel. Die Gäste konnten das Gebäude rechtzeitig verlassen. Der Feuerwehr gelang es nach fünf Stunden, den Brand unter Kontrolle zu bringen.
 
Das Hotel ''Haus Nordmeer'' stand bis zum Nachmittag in Brand
DPA
Das Hotel "Haus Nordmeer" stand bis zum Nachmittag in Brand

Borkum - Wie die Polizei am Nachmittag gegenüber SPIEGEL ONLINE bestätigte, blieben die 30 Gäste des Hotels "Haus Nordmeer" unverletzt. Zwei Personen wurden am Nachmittag zwar noch vermisst, sind mittlerweile aber wieder aufgetaucht. Erst war unklar gewesen, ob sich in dem Haus an der Hauptgeschäftsstraße der ostfriesischen Insel noch Menschen aufhalten und es Verletzte oder Tote gäbe. Die oberen Etagen des Hauses waren bis zum Mittag bereits völlig ausgebrannt.

Der Feuerwehr gelang es inzwischen, den Brand unter Kontrolle zu bringen. Auf Grund des starken Windes sei ein erneutes Aufflammen des Brandes jedoch nicht auszuschließen. Es gebe immer noch eine starke Rauchentwicklung. "Wir haben Angst, dass der Wind stärker wird und das Feuer andere Häuser in Brand setzt", sagte Polizeisprecher Wilfried Spieker. Zur Schadenshöhe konnten zunächst keine Angaben gemacht werden. Die Brandursache ist derzeit noch unklar. Das Hotel brannte komplett aus. Das Feuer war gegen 10.30 Uhr ausgebrochen.

Borkumer Zeitung 18.7.02:

Feuer: Großeinsatz auf Borkum
Haus Nordmeer in der Fußgängerzone brennt - Keine Personen vermisst - Brandursache noch unklar

Von Wilfried Specht

Borkum.
Ein Zimmerbrand im Wohn- und Geschäftshaus Haus Nordmeer in der Fußgängerzone Bismarckstraße entwickelte sich durch starken Wind aus Nordwest mit Stärke 5 bis 6 zu einem Großbrand ungewöhnlichen Ausmaßes. Die Borkumer Zeitung hatte gestern Nachmittag die Gelegenheit zu einem längeren Gespräch mit Borkums Stadtbrandmeister, dem Ersten Hauptbrandmeister Rolof „Epi“ Brinkmann, der die Situation folgendermaßen schilderte:
    „Rauchentwicklung wurde am Mittwoch Morgen gegen 10.35 von Spaziergängern in der Bismarckstraße festgestellt. Der Ort war auch schnell gefunden, der Rauch kam aus zwei Dachgauben des Hauses Nordmeer. Die Feuerwehr wurde umgehend informiert, zunächst um 10.41 Uhr stiller Alarm ausgelöst, das heißt über Funkmeldeempfänger für die erste Löschgruppe, die sofort mit 22 Kräften unter Stadtbrandmeister Brinkmann ausrückte.“ Schon bei Ankunft erkannte der versierte Feuerwehrmann die Situation: Hier musste Großalarm über Sirenen ausgelöst werden. Damit wurde um 10.58 Uhr die gesamte Wehr angefordert.
    Das Haus Nordmeer gehört zum Hotel Atlantik, Inhaber ist Dr. Klaas Meyer-Gerhards. Im Haus Nordmeer befanden sich 30 Personen, Gäste und Angestellte, und im Parterre zahlreiche Geschäfte, die alle geöffnet hatten. Die sich im Keller befindlichen Lokalitäten waren geschlossen.
    Wie sich dann herausstellte, waren die Zimmer im oberen Bereich auch bewohnt, die Bewohner waren aber alle in Sicherheit, sie konnten gewarnt werden und hatten das Haus verlassen. Die Bewohner der anderen Etagen wurden evakuiert wie auch die Pächter der Geschäfte im Erdgeschoß. Die Zugangsstraßen zum ganzen Viertel wurden durch Polizei und Feuerwehr abgeriegelt, was sich als sehr schwierig erwies in Bezug auf den Postzugang und den Bahnhof, wo planmäßige Züge ein- und ausfahren mußten.
    Der Brand wurde über vier große B-Rohre und zwei kleinere C-Rohre bekämpft, wobei die Drehleiter eine dominierende Funktion hatte, denn dadurch konnte der Brandherd direkt bestrahlt werden. Infolge des starken Windes wurde das Feuer immer wieder entfacht. Der Brand fraß sich durch die Zwischendecken in weitere daneben und darunter liegende Zimmer vor. Trotzdem gelang es, den Brand zu stoppen. Die Struktur des alten Hauses mag dazu beigetragen haben, dass es schwer war, einen Stillstand zu erreichen.
    Fazit: Die beiden oberen Stockwerke sind total ausgebrannt, die darunter liegenden durch Löschwasser stark in Mitleidenschaft gezogen. Ein Übergreifen auf das nebenliegende, aber im oberen Bereich nicht verbundene Hotel Atlantik, konnte durch konsequentes Löschen verhindert werden.
    Wie Stadtbrandmeister Brinkmann nach dem Brandstopp und vor den Aufräumarbeiten erklärte, waren fast 60 Feuerwehrleute im Einsatz. Sogar zwei Berufsfeuerwehrleute der Bundeswehr-Feuerwehr, die als Gäste auf der Insel sind, hatten sich zur Verfügung gestellt. Die Polizei war mit 16 verfügbaren Beamten vor Ort. Der Polizeihubschrauber aus Oldenburg machte Luftaufnahmen vom Brandort und hatte den Brandsachverständigen der Kripo aus Leer eingeflogen. Die zwei Wasserschutzpolizisten hatten die Polizeikräfte verstärkt. Das DRK Borkum und die Rettungssanitäter standen am Brandort bereit.
    Gegen 16 Uhr stand anhand der Checklisten fest, dass keine Menschen im Gebäude verblieben sind. Die Feuerwehrleute hatten unter schwerem Atemschutzgerät alle Zimmer durchsucht. Keine Personen wurden verletzt, allerdings wurde ein toter Hund gefunden.
    Der Dank, so die Verantwortlichen vor Ort, gehe an die Nachbarn, die für Essen und Getränke für alle Einsatzkräfte gesorgt hätten. Auch Bürgermeister Cornelius Akkermann und Stadtdirektor Gerhard Müller, als oberster Dienstherr der Wehr, sahen sich die Löscharbeiten ihrer Feuerwehr an und erkundigten sich nach dem Sachstand.
    Wie die Feuerwehr abschließend meldete, konnten die letzten Brandnester gegen 18 Uhr gelöscht werden, eine Brandwache blieb über Nacht im Hause. Wie die Polizei meldete, wird der Sachschaden auf mindestens 500000 bis zu einer Million Euro geschätzt.
    Brinkmann: „Es ist erstaunlich, dass die ganze Evakuierung und die Brandbekämpfung so ruhig und profihaft verlaufen ist.“ Zum Schluss konnten Brandbeobachter, die die Löscharbeiten die ganze Zeit über verfolgten, Gerüchte dementieren, die von „Panik auf der Insel“ lauteten. Tausende zogen die Brandbekämpfung einem sonnigen Liegeplatz am Strand vor und eilten zum Ort des Geschehens. Achim Stratmann von der Tourist-Info erklärte: „Für die betroffenen Feriengäste war der Brand am Ende ihres Urlaubs ein großer Schock.“

Ostfriesenzeitung 19.7.02:

Die Höhe des Schadens schätzt die Polizei auf drei Millionen Euro. Zwei Drittel davon entfallen auf den Löschwasserschaden.

Borkum. Ein eingeschalteter Backofen war offenbar die Ursache für das Feuer, das am Mittwoch auf Borkum für einen Millionenschaden gesorgt hat. Nach Angaben der Insel-Polizei beträgt der Gesamtschaden an dem Gebäudekomplex in der Bismarckstraße rund drei Millionen Euro.
    Die Brandermittler der Polizei gehen davon aus, dass ein Backofen im dritten Stock des Appartementhauses „Haus Nordmeer“ in der Borkumer Innenstadt das Feuer verursacht hat. Vermutlich hat ein Kleinkind den Elektroherd beim Spielen eingeschaltet, kurz bevor die Familie die Wohnung verließ. Durch das überhitzte Gerät, dessen Klappe ein Stück offen stand, wurde eine Kunststoffschublade in Brand gesetzt. Die bei dem Schwelbrand entstandenen Gase hätten sich schließlich mit einer Verzögerung von etwa einer Stunde entzündet.
    Dann breitete sich das Feuer zunächst in die darüber liegende Wohnung des Gebäudes aus. Die Feuerwehr hatte den ganzen Tag damit zu tun, den Brand zu löschen und ein Übergreifen des Feuers auf die benachbarten Gebäude zu verhindern. Das Dachgeschoss brannte etwa zur Hälfte aus. Bis in die Morgenstunden des gestrigen Tages flammten immer wieder kleinere Brandherde auf.
    Den durch das Feuer verursachte Gebäudeschaden schätzt die Borkumer Polizei auf etwa eine Millionen Euro. Viel größer ist allerdings offenbar der Schaden in den im Erdgeschoss liegenden acht Geschäften und der im Keller liegenden drei Diskotheken, weil dort große Mengen Löschwasser hineinflossen. Insgesamt liege der Gesamtschaden bei etwa drei Millionen Euro.
    Menschen kamen durch das Feuer nicht zu Schaden. Alle Bewohner der Ferienwohnungen tummelten sich zum Zeitpunkt des Brandes am Strand. Allerdings blieb von ihrem Hab und Gut kaum etwas übrig, berichtete Polizeisprecher Karl-Heinz Beismann. Nur in den Wohnungen der unteren Stockwerke fanden die Feuerwehrleute noch einige Wertgegenstände, Autoschlüssel und Rückfahrkarten.

Emder Zeitung 19.7.02:

Kind verursacht den Borkumer Hotel-Brand
Der Gesamtschaden wird mittlerweile auf drei Millionen Euro geschätzt

    Ein eingeschalteter Backofen hat den Großbrand im Hotel "Haus Nordmeer" in der Bismarckstraße auf Borkum (wir berichteten) ausgelöst.
    Das Gebäude wurde massiv beschädigt. Bisherige Ermittlungen sprechen nach Angaben der Polizei Borkum dafür, dass ein Kleinkind im Krabbelalter den Backofen in einer Appartementwohnung des Gebäudekomplexes im dritten Stock eingeschaltet hat. Dieses blieb von der Aufsichtsperson unentdeckt. Die Wohnung wurde verlassen, das Unglück nahm seinen Lauf.
    Die Brandursachenermittler hatten die Brandausbruchstelle exakt lokalisieren können. Der Backofen eines Elektroherdes war eingeschaltet. Zudem stand die Klappe des Backofens einen Spalt weit offen.
    Die Heizspirale entzündete Materialen, unter anderem Substanzen einer Kunststoffschublade. Die Polizei geht davon aus, dass dem eigentlichen Brandausbruch eine etwa einstündige Schwelbrandphase vorausgegangen war. Der durch die Schwelbrandphase ausgetretene Qualm zündete schließlich durch, so dass es zum so genannten Flash-Over kam. Die direkt darüber befindlichen Wohnungen wurden als erstes in Mitleidenschaft gezogen. Das Dachgeschoss des Gebäudes brannte zur Hälfte aus. Der Gesamtschaden wird mittlerweile auf drei Millionen Euro geschätzt.
    Im Gebäudekomplex befinden sich im Erdgeschoss und im Keller acht weitere Geschäfte, die durch Löschwasser in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Betroffen sind unter anderem eine Apotheke, ein Buchladen, ein Schuhgeschäft und eine Disco.

Gäste blieben unverletzt
   
Der Brand war am Mittwoch gegen 10.41 Uhr entdeckt worden. Stundenlang kämpfte die Feuerwehr gegen das Feuer, das bei starker Rauchentwicklung auf umliegende Gebäude überzugreifen drohte. Die 30 vorwiegend aus Niedersachen und Nordrhein-Westfalen stammenden Hotelgäste blieben unverletzt, verloren aber größtenteils ihr komplettes Urlaubsgepäck. Gestern suchten Polizisten in den zerstörten Zimmern noch nach Wertgegenständen wie Autoschlüsseln und Ausweisen. Einzig in den unteren Etagen des mehrstöckigen Gebäudes wurden noch unversehrte Rückfahrkarten und andere Habseligkeiten gefunden.
    Benachbarte Gebäude waren am Mittwoch vorsorglich evakuiert worden. Am Nachmittag hatten die rund 60 Einsatzkräfte die Lage im Griff. Hunderte Feriengäste und Insulaner hatten das Geschehen im Zentrum jenseits der Absperrungen am Mittwoch verfolgt. Bis in die gestrigen frühen Morgenstunden mussten immer wieder kleinere Brandnester gelöscht werden.

Borkumer Zeitung 19.7.02:

Haus Nordmeer Hotel Atlantik
Informationen / Rückblick

ws Borkum. Die Borkumer Zeitung hatte am Donnerstag, dem Tag „danach“, Gelegenheit, mit dem Besitzer der Häuser Haus Nordmeer und Hotel Atlantik, Dr. Gerhard Meyer-Gerhards, und seinem Sohn Klaas ein Gespräch über die Vorkommnisse der letzten zwei Tage zu sprechen.
    Sie zeigten sich mehr als erleichtert darüber, dass dieser Großbrand keine Verletzten gefordert hat. Sie bedauerten aber den Tod eines Hundes, der sich in genau der Wohnung befand, in welcher der Brand ausgebrochen war.
    Dr. Meyer-Gerhards kam in diesem Gespräch auch auf die Geschichte des Hauses zu sprechen. Das jetzige Haus Nordmeer wurde 1911 von einer Familie Landsberg als Haus Seefried gebaut, denen auch das Hotel Landsberg gehörte, heute Hotel Atlantik. Die Familie Meyer-Gerhards erwarb das Hotel 1935.
    Im Haus Nordmeer wurden vor kurzem mehrere Geschosse renoviert, aber nicht das Dachgeschoß, das ja bekanntlich jetzt total ausbrannte. „Den Pächtern wird von allen Seiten geholfen, so weit wie dieses möglich ist“, hieß es weiter. Der Wasserschaden sei beträchtlich, vom Brandschaden einmal abgesehen. Das Löschwasser sickerte vom Dachgeschoß bis in die Keller durch, wobei die Kellerräume, die näher am Hotel Atlantik angrenzen, weniger Schäden aufweisen. „Die Geschäfte im Erdgeschoß haben alle Schäden aufzuweisen und sind vorerst nicht zu benutzen.“
    Die Borkumer Zeitung hat in Gesprächen mit Fachleuten versucht festzustellen, wie viel Löschwasser von der Feuerwehr benötigt wurde. Das ist so einfach auch bei den Stadtwerken nicht feststellbar über den durchschnittlichen Mehrverbrauch, da die Menge täglich variiert. Es wurde aber festgestellt, dass es um die 300 Kubikmeter Leitungswasser sein müssten.
    Die Hotelgäste des Hauses Nordmeer, die ohne Ausnahme ihre Zimmer räumen mussten, sind mittlerweile alle abgereist.

Ostfriesenzeitung 24.7.02:

„Es wird alles wieder gut“

Von Elke Wieking

Sieben Geschäfte im Erd- und Kellergeschoss von „Haus Nordmeer“ / Auch Nachbarn betroffen

Vergangene Woche brannte es im Haus Nordmeer auf Borkum. Die Geschäftsleute trifft es mitten in der Saison.

Borkum. Giorgio Solari hat der Brand am vergangenen Mittwoch hart getroffen. Nicht nur, dass seine Eisdiele auf Borkum vorerst geschlossen bleiben muss, auch seine Wohnung darüber ist nicht mehr zu bewohnen. In langen Fetzen hängen die Tapeten von Decken und Wänden, eine feine, feste Rußschicht hat sich auf alles gelegt, in den Kleidern, Vorhängen und Teppichen hängt beißender Brandgeruch. Trotzdem sagt der Italiener, der aussieht, als habe er seit Tagen nicht geschlafen: „Es wird alles wieder gut.“ Fast beschwörend.
    Solari hofft, dass er seine Eisdiele an der Bismarckstraße, auf der es von Touristen nur so wimmelt, bald wieder öffnen kann. Er hofft, dass er wenigsten die Kosten, die durch den Brand entstanden, wieder bekommt. Die Kurverwaltung hat ihm erst mal eine Wohnung im Kurhaus besorgt.
    Am vergangenen Mittwoch brannte das große Apartmenthaus „Nordmeer“ an der Bismarckstraße auf Borkum (die OZ berichtete). Stundenlang bekämpfte die Borkumer Feuerwehr den Brand und verhinderte trotz des starken Windes, dass das Feuer auf die Nachbargebäude übergriff. Erst am nächsten Morgen gab sie das „Haus Nordmeer“ wieder frei.
    Fast 40 Bewohner waren betroffen, davon 29 Touristen. Im Erd- und Kellergeschoss stand das Löschwasser in den Geschäften.
    Ausgelöst wurde der Brand durch einen Backofen. Den stellte ein kaum zweijähriges Kind beim Spielen an. Die Großmutter merkte nichts und ging mit Kind an den Strand. Nur der Hund blieb in der Ferienwohnung und verbrannte. Menschen wurden nicht verletzt. Das kleine Kind ist strafunmündig. Auch gegen die Großmutter laufe kein Ermittlungsverfahren wegen Verletzung der Aufsichtspflicht, teilte der Leitende Oberstaatsanwalt Werner Kramer (Aurich) gestern auf OZ-Anfrage mit.
    Die Geschäftsleute im Erd- und Kellergeschoss von „Haus Nordmeer“ trifft der Brand : genauer gesagt, das Löschwasser : mitten in der Hochsaison. Die Bismarckstraße ist eine viel besuchte Geschäftsstraße, die zur Promenade am Südstrand führt (siehe dazu den untenstehenden Bericht). Jetzt sind in Nordrhein-Westfalen die Schulferien angefangen, die Touristen strömen auf die Insel. „Sehr gut besucht“, sei Borkum, sagt Joachim Stratmann von der Touristen-Information.
    Stratmann hatte den ausgebrannten Gästen aus „Haus Nordmeer“ erst einmal eine Unterkunft besorgt. Einige mussten sich sogar bei der Stadt obdachlos melden, weil sie außer Badesachen nichts aus dem Apartmenthaus mitgenommen hatten. Die meisten sind inzwischen abgereist. Wer danach im „Haus Nordmeer“ buchte, muss zu Hause bleiben.
    Glück im Unglück hatten Rosemarie und Uwe Maark. Die Rentner aus Dormagen waren nicht in ihrem Apartment, als das Feuer ausbrach. Uwe Maark hatte zufällig alle Papiere mitgenommen. Trotzdem: „Urlaub ist das nicht mehr“, sagt seine Frau Rosemarie. Der Schock sitze tief. Montags angereist, mittwochs abgebrannt : ihr Blutdruck kommt gar nicht wieder runter. Jetzt warten die beiden nur noch darauf, dass ihre Sachen aus einer Spezialreinigung eintreffen. „Dann reisen wir ab.“


Jetzt sind die Männer von der Brandkasse an der Reihe
Nach dem Brand wateten Geschäftsleute im Löschwasser

ew Borkum. Im Erdgeschoss von „Haus Nordmeer“ sind ein Juwelier, ein Buchladen, ein Schuhgeschäft, eine Apotheke, eine Eisdiele, ein Bistro und im Keller die Diskothek „Inselkeller“. Daneben liegt das „Hotel Atlantik“.
    Obwohl „Haus Nordmeer“ und das Hotel nicht aneinander gebaut sind, geht die Geschäftszeile im Erdgeschoss ineinander über. Es schließen sich die Boutique „Intinchen“, eine Nachtbar, der Eingang des Hotels und das Restaurant Delfter Stuben an. Nach dem Brand im „Haus Nordmeer“ (siehe Bericht oben) sind die Geschäfte beim Hotel Atlantik nicht direkt betroffen, wohl aber teilweise von Dreck und Brandgeruch.
    Dr. Gerhard Meyer-Gerhards gehören das Apartmenthaus und das Hotel. Im „Haus Nordmeer“ seien vorher alle 15 Apartments renoviert worden, sagt er. Das riesige ehemalige Hotel wurde 1911 erbaut. Abgebrannt ist das Dach, ausgebrannt der vierte und fast der ganze dritte Stock, der Rest ist unbewohnbar. Inzwischen ist ein Notdach drauf, das Gebäude eingerüstet. Handwerker holen die Schuttberge raus und versuchen zu reparieren, was schnell zu reparieren geht. Besitzer Meyer-Gerhards will sich zur Schadenshöhe aber nicht äußern. Hinter ihm tauchen gerade die Männer von der Brandkasse auf. Die sind jetzt dran, ihn zu beziffern.
    Neben dem Hotel macht Wim Uittien den Ausverkauf der Schuhfiliale „Der Renner“. Der Laden muss erst mal renoviert werden. Aber, sagt Uittien, ihn habe es nicht „so schlimm“ getroffen.
    Einige Türen weiter fragt Marion Byl Thomas Waschhöfer, ob er ihr nicht wenigstens das Wasser in ihrem Juwelierladen wieder anstellen könne. Nach Strom fragt sie den Handwerker für „Heizung, Sanitär und Bauklempnerei“ lieber nicht. In den Deckenlampen und Leitungen sitzt das Löschwasser; genauso wie in der Decke, in der Wandvertäfelung, dem Boden, in den Vitrinen, Schränken und so weiter. Nichts sei trocken geblieben, sagt die junge Frau gefasst. Fast kniehoch stand das Löschwasser im Laden. Byl ist Feuerwehrfrau und hat beim Einsatz sogar mitgeholfen.
    Erst im Januar hatte sie das Juweliergeschäft in bester Lage übernommen und renoviert. Nun glaubt sie nicht, dass sie in dieser Saison überhaupt noch mal aufmachen kann.
    Das ist bei Carl Jansen anders: Schon zwei Tage nach dem Brand hat die Diskothek „Inselkeller“ wieder aufgemacht. Heute Abend ist „Miss Borkum“:Wahl. Er habe Verträge, die müsse und wolle er erfüllen, so Jansen. So hat er zusammen mit den Handwerkern zwei Tage durchgearbeitet. „Eisern.“ Renovieren will er erst nach der Saison. Was von den Versicherungen komme, müsse sich auch erst zeigen, sagt der Pächter.
    Geöffnet hat auch schon wieder die Apotheke von Dorit Mühe. Im Verkaufsraum deutet nichts auf einen Wasserschaden hin. „Aber in den hinteren Räumen“, sagt ihr Mann Curt Mühe.