Borkumer Zeitung vom 14.2.2005:
Großbrand vernichtet Geschäftshaus auf Borkum

Der Dachstuhl steht im westlichen Teil des Gebäudes lichterloh in Flammen. Zuvor konnten die 13 Bewohner des Hauses in Sicherheit gebracht werden.
Auf unserer Aufnahme sind die abgeplatzten Eternitteile deutlich zu erkennen, die durch die Hitze wie Geschosse durch die Luft wirbeln. Foto: Wilke Specht
13 Menschen vor dem Feuer in Sicherheit gebracht - Starker Funkenflug - 52 Feuerwehrleute im Einsatz
Von Wilke Specht Borkum - 13 Menschen sind gestern in den frühen Morgenstunden nur knapp einer Tragödie entkommen. Gegen 6.46 am Sonntag Morgen wurde die Feuertechnische Zentrale in Leer über Telefon von einem Zimmerbrand in der Neuen Straße 12 (Restaurant Rolinck-Eck) informiert.
Auf den sofort weitergeleiteten Notruf an die Feuerwehr auf Borkum rückten 20 Feuerwehrleute zum Einsatzort aus.
Nach Eintreffen des Einsatzleiters, Hauptlöschmeister Jörg Kaja, wurde umgehend Sirenenalarm ausgelöst, der nach wenigen Minuten noch ein zweites Mal wiederholt wurde. Großalarm. Nach nur sieben Minuten war das erste Fahrzeug am Brandort und begann mit der Koordination.
Unterstützt wurden die Maßnahmen durch Beamte der Polizeidienststelle Borkum, die nach Auskunft von Stadtbrandmeister Rolof Brinkmann „sehr schnell“ vor Ort gewesen seien und mit der Absperrung begannen. Während dessen ist eine verletzte Person durch Mitarbeiter des Rettungsdienstes behandelt und ins hiesige Krankenhaus transportiert worden.
Insgesamt konnten 13 Menschen aus dem brennenden Gebäude in Sicherheit gebracht werden.
Die Polizei, die unter Leitung von Kriminalhauptkommissar Karl-Heinz Beismann vor Ort war, geht derzeit davon aus, dass der Brand in einer der Personalwohnungen im Westteil vom Dachstuhl seinen Anfang genommen haben könnte. Von dort breitete sich das Feuer - begünstigt durch den immer noch starken westlichen Wind - seinen Weg über den gesamten Dachstuhl aus.
Die Flammen schlugen teilweise meterhoch aus dem Dach heraus und waren weithin auf der Insel sichtbar. Da das Haus mit Eternitplatten gedeckt und mit Kunststoff ausgeschäumt war, bestand die Gefahr, dass sich giftige Dämpfe entwickeln. Vor diesem Hintergrund ist eine Mitteilung an Radiostationen verfasst worden, die die Bevölkerung auf Borkum darauf hingewiesen hat, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Mittlerweile ist die Wehr mit 52 Männern und Frauen sowie sämtlichen Fahrzeugen vor Ort.
Um ein Übergreifen durch die teilweise dichte Bebauung zu verhindern, sind sämtliche angrenzende Gebäude mit einem Wasserteppich versehen worden. Dieser sollte verhindern, dass sich weitere Häuser durch den starken Funkenflug entzünden.
Bereits nach kurzer Zeit beginnt die Feuerwehr Borkum den Brandherd von drei Seiten zu bekämpfen. Zur Unterstützung konnten Mitarbeiter der Stadtwerke Borkum den Wasserdruck leicht erhöhen, gleichzeitig ist durch das Gaswerk die Gaszufuhr für dieses Gebiet unterbrochen worden.
Erschwert wurde die Brandbekämpfung durch das „doppelte Dach“. Nach Auskunft von Stadtbrandmeister Brinkmann ist über die alte Dachpappe eine zweite Außenhaut mit Eternitplatten aufgebracht worden. Mit ständigen kleinen „Explosionen“ platzte das heiß gewordene und stark gesundheitgefährdende Eternit vom Dach auf die umliegenden Gebäude und Fahrzeuge.
„Bereits beim Eintreffen war das Haus von Innen sehr stark verqualmt. Aus Sicherheitsgründen konnten wir deshalb keine Brandbekämpfung von hier mehr vornehmen“, so Brinkmann in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Nachdem das Feuer gegen 10.40 Uhr unter Kontrolle war, wurde durch Feuerwehrmänner das Dach von oben geöffnet und weitere Brandnester im Dachstuhl gelöscht.
Gegen 12 Uhr wurde das Gebäude an die Polizei übergeben. Wie die Beamten gestern Abend mitteilten, sei das Haus derart schwer beschädigt, dass Einsturzgefahr bestehe. Aus diesem Grund wurde die Brandstelle durch die Polizei beschlagnahmt.
Heute Morgen nehmen Brandermittler vom Festland die Arbeit vor Ort auf, um den genauen Tathergang zu rekonstruieren und die Brandursache zu ermitteln. Allerdings konnten die Beamten schon gestern feststellen, dass das Feuer einen Schaden von über einer Million Euro angerichtet hat.
Bereits kurz nach dem Löschen des Feuers haben Eigentümer und Freunde damit begonnen, die Straßen wieder von den abgeplatzten Eternit zu säubern. Unterstützt wurden sie dabei auch von einem städtischen Mitarbeiter mit einer Kehrmaschine
 
 

F Bilder

BZ vom 15.2.2004:
Borkum: Fahrlässige Brandstiftung

In diesem Zimmer ist der Brand ausgebrochen.Foto: Specht
Ermittlungen der Experten abgeschlossen
Borkum/sp - Der Großbrand, der am frühen Sonntag Morgen ein Geschäftshaus in der Neuen Straße auf Borkum vernichtete und einen Schaden von über einer Million Euro verursachte, ist nach Auskunft der ermittelnden Beamten Stefan Voogd und „Joke“ Müller von der Polizeiinspektion Leer/Emden auf „fahrlässige Brandstiftung“ zurückzuführen.
In einem Gespräch mit der Borkumer Zeitung gestern Abend gehen die Brandermittler davon aus, dass eine „nicht ordnungsgemäß“ ausgemachte Zigarettenkippe für das Feuer verantwortlich sei.
Einen technischen Defekt in einem Fernsehgerät schlossen Voogd und Müller nach den vorliegenden Untersuchungsergebnissen aus. „Das Feuer hat seinen Lauf in einem 1-Zimmer-Appartement im Dachgeschoss begonnen“, skizzierte Voogd den Brandverlauf. Dies sei an der Hitze des Feuers, welches eindeutige Spuren in dem Raum hinterlassen hatte, festzustellen gewesen.
Unterstützt wurden die beiden Brandermittler von einem Borkumer Beamten sowie zwei Helfern der Stadt Borkum.
Die Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten wurde von den Festländern als „ausgezeichnet“ hervorgehoben. Dies sei nicht immer der Fall und sollte an dieser Stelle deshalb ausdrücklich angemerkt werden. Den ganzen Tag über hatten die Beamten das Dachgeschoss auf die mögliche Ursache des Feuers untersucht. Dabei wurde im sogenannten Ausschlussverfahren vorgegangen.
Für die Polizei ist der Fall damit abgeschlossen, die Akte wird jetzt der Staatsanwaltschaft vorgelegt.